Ann 1980 – Hingabe

Alles dreht sich.
Bis sie spürt, dass sie es selbst ist, die rotiert.
Sie kullert auf dem Bett wie ein Wollknäuel, das abgerollt wird. Er hat begonnen, ihre Fesseln aufzuwickeln, indem er an dem einen Ende der Schnur, die ihr unendlich lang vorkommt, zieht. Zuerst liegen ihre Brüste frei, dann ihr Bauch, sie sieht die roten Streifen auf ihrer Haut, die die Schnur hinterlassen hat.
Dann öffnet er die Knoten um ihre Beine. Sie kann sie dennoch nicht bewegen, sie fühlen sich wie abgestorben an. Er umgreift zärtlich ihre Fußgelenke und hilft ihr, die Beine wieder auszustrecken. Das Kribbeln und Stechen, das sich in ihren Beinen ausbreitet, wird zunehmend unerträglich.
Kurz hat sie eine Eingebung. Sie sieht sich durch einen dunklen Gang kriechen, während sie von tausend unsichtbaren Nadeln gemartert wird.

Steve löst das Seil um ihre zusammengebundenen Arme, auch die pochen und pulsieren auf unangenehmste Weise.
Er dreht sie auf den Rücken, legt ihre Arme um seinen Hals und lächelt. Er lächelt!
Ann fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Mit ihren tauben Armen hält sie ihn so fest sie kann. Wie lange hat sie sich danach gesehnt. Er küsst sie sanft und zärtlich. Sie kann ihr Glück nicht fassen.
Für diesen kurzen Moment ist ihre Welt völlig in Ordnung. Sie schauen sich tief in die Augen. Sie glaubt, in seinen dunklen, großen Pupillen wie in einem schwarzen Loch zu versinken, sich in Nichts aufzulösen und einfach zu verschwinden.

Und dann verändert sich seine Frisur. Aus seinen schönen, schweren, braunen Locken wird ein schlaff herabhängender, speckig blonder Irokese. Sein Gesicht verformt sich zu einer Fratze. Schallendes Gelächter und ein Geruch nach Bier, Knoblauch und Zigaretten hüllt sie ein.
Ihr wird schlecht. Sie kämpft gegen einen überwältigenden Brechreiz an. Das Lachen hört und hört nicht auf. Es gibt keinen Steve mehr.
Nur noch einen dreckigen Punk, der über einer, von zuckenden Würgereizen geschüttelten Ann steht und sie zwingt, seinen stinkenden Penis in den Mund zu nehmen.

An einem kühlen Abend im Juni im Nieselregen.

Weinend wache ich auf.
Nass geschwitzt.
Oder war es doch der Nieselregen?

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