3. Juni 1978

Original Buchtext:

Tante Margret war die 2 Jahre jüngere Schwester meines Vaters und er liebte sie über alles. Auch ich mochte sie sehr, denn sie war immer total lässig. Erstens sah sie sehr cool aus, mit ihren dicken schwarzen langen Haaren und den schrillen Klamotten, zweitens hatte sie einen richtig guten Musikgeschmack. Sie versorgte mich immer mit Musik Kasetten mit den neuesten Hits darauf. Und drittens konnte ich mich ihr immer anvertrauen. Unvermittelt kamen mir die Tränen.

„Die haben bestimmt Drogen genommen“, jammert meine Mutter, „Stefan hat doch als Chemiker den besten Zugang zu solch einem Zeug. Denk doch mal Gerd, als wir damals auf die Party bei denen eingeladen waren …“

Stefan ist Tante Margrets Mann. Die beiden haben aus der Sicht meiner Eltern immer ein ziemlich wildes Leben geführt 

„Weil sie keine Kinder kriegen können, sonst würden sie nicht auf so blöde Gedanken gekommen“ wetterte meine Mutter oft. Manchmal sagte sie aber auch, 

„da könnt ihr mal sehen, was wir alles tun könnten, wenn wir keine Kinder hätten“. Das bezog sich dann auf den Lebensstil der Beiden, mit vielen Reisen, tollen Klamotten und einem schicken BMW M1. 

„Wir wissen gar nichts. Und du hältst jetzt endlich mal dein Schandmaul!“ 

So etwas habe ich meinen Vater noch nie zu meiner Mutter sagen hören. Diese wendet sich empört ab und geht in die Küche. Ich setze mich ganz nahe zu meinem Vater und nehme ihn in den Arm. Er legt wieder seinen Kopf auf den Tisch und ich glaube zu hören, dass er leise weint. Sandra geht zu meiner Mutter in die Küche.

Später am Tag, inzwischen ist auch Opa da, versuchen sie, mehr über die Todesumstände meiner Tante heraus zu finden. Aber es ist Samstag und sie haben keinen Erfolg. Auch von Stefan hören wir nichts, was Opa ziemlich merkwürdig findet. Er hatte ohnehin kein so gutes Verhältnis zu Stefan. Wir ahnen noch nicht, unter welchen mysteriösen Umständen Tante Margret wirklich ums Leben kam und welche fatalen Konsequenzen dieser Tag für das Leben meiner Familie hat.

Nach dem Anpfiff meines Vaters hält sich meine Mutter erstaunlicherweise den ganzen Tag über dezent zurück, sorgt für Kaffee und Zigaretten und werkelt in der Küche herum. Irgendwann am Nachmittag, als ich das schmutzige Geschirr zu ihr in die Küche bringe, schaut sie mich von oben bis unten an, wendet sich wieder ab und sagt beiläufig im Weggehen. 

„Wie siehst Du eigentlich aus? Warum trägst Du dieses dicke scheußliche Tuch um den Hals?“

 

 

Meine Lieblingstante ist angeblich verunglückt – in Sizilien?

 

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